Jan 1

mit ‘nem kasten limo, guter laune und zum teil entschlossen
und dann wird mit den zeitgenossen nochma blei gegossen
danach zünden wir ne matte böller und geloben uns zu bessern
ziehen uns ordentlich einen hintern den knorpel und glauben fest dran
morgen gehts früh raus kalt duschen und spätetestens mittags gibts
matetee und mehrkornbrezeln und die ersten situps
frühstück, halb auf gehts bald drauf zur typberaterin
und ich muß in sachen sport dringend ‘n halmapartner finden
ich muß versicherung checken sonst gibts noch weniger rente
wenn ich so weiter mach brauch ich jede mark für medikamente
ich mein an und für sich eins nach dem anderen natürlich
und ob sich etwas ändert ist wohl mehr als fragwürdig
aber für alle zwangsoptimistinnen und glas-halb-voll-jungs
der erste ist der schwerste frohes neues auf uns

ich bin
fest entschlossen mich im neuen jahr zu ändern
ich will
mich vorbildlich benehmen in aller herren länder
ich darf
erst nach getaner pflicht auf alltag schalten
die kugel ruhiger schieben und den ball flach halten

Dez 31

.. ist besonders die Tendenz für das kommende Jahr interessant. Easy come, easy go.
Wenn er die Mütze abnimmt, sieht er aus wie ein kleiner Junge. Ist er auch. Hoffentlich hat er keinen kleinen Jungen.
Groetjes & guten Rutsch

Dez 9

Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein und wieder einmal war es Zeugnistag. Nur diesmal, dacht’ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein, als meines weiß und hässlich vor mir lag. Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt. Ich war ein fauler Hund und obendrein höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt, so ein totaler Versager zu sein; so ein totaler Versager zu sein. So, jetzt ist es passiert, dacht’ ich mir, jetzt ist alles aus: nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt’ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n. Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie; dafür konnt’ ich schon immer ganz gut mal’n. Dafür konnt’ ich schon immer ganz gut mal’n. Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus. Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt. Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus. So stand ich da, allein, stumm und geknickt. Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück, voll Selbstgerechtigkeit genoß er schon die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat’ne Stück, diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn; diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn. Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran: dies ist tatsächlich meine Unterschrift.” Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man verstehn, dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns gehn.”; „Komm, Junge, lass uns gehn.” Ich hab noch manches lange Jahr auf Schulbänken verlor’n und lernte widerspruchslos vor mich hin Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn. Dass ich dabei nicht ganz verblödet bin ! Nur eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt,die eine nur aus dem Haufen Ballast: Wie gut es tut zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast. Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast. Ich weiß nicht, ob es richtig war, dass meine Eltern mich da rausholten und - wo bleibt die Moral? Die Schlauen diskutier’n, die Besserwisser streiten sich. Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich weiß nur eins; ich wünsche allen Kindern auf der Welt, und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind, wenn’s brenzlig wird, wenn’s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt: Eltern, die aus diesem Holze sind. Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind.

Reinhard Mey - Zeugnistag

Dez 7

Ich denk’, ich schreib euch besser schon beizeiten,
und sag euch heute schon endgültig ab.
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten,
um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab.
Ich lieb die beiden, daß will ich euch sagen,
mehr als mein Leben, als mein Augenlicht.
Und die, die werden keine Waffen tragen:

Nein, meine Söhne geb ich nicht.
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben,
vor jeder Kreatur als höchstem Wert,
ich habe sie Erbarmen und Vergeben,
und wo immer es ging Lieben gelehrt.
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben.
Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht,
sind’s wert, dafür zu töten und zu sterben.

Nein, meine Söhne geb ich nicht.
Nein, meine Söhne geb ich nicht.

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht.
Nicht für euch, und nicht als Kanonenfutter,
nicht für euch hab’ ich manche Fiebernacht
verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
und kühlt’ ein kleines glühendes Gesicht,
bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden,

Nein, meine Söhne geb ich nicht.
Nein, meine Söhne geb ich nicht.

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Nov 24

Knackende Schritte im Schnee, alleiniger Zweiertakt; prägende Songs am Morgen, in Begleitung den ganzen langen Tag, frühe Dunkelheit, kurzer Tag. Was war das nun? Kälte beim Einatmen, immer wieder aufs Neue: Blicke. Erwidernd; lasst mich in Ruhe. Melodien und Takte. Eingängig, nicht fad, sehr tief. Maulfaulheit. Sätze ohne Struktur, taktlos. Der Faden als Anhaltspunkt, in rot als Signal. Es fehlt, ist eine Ellipse, lücken- und mangelhaft.

Nov 23

Ich sehne mich nach dem Moment, der mir Ruhe schenkt, verdrängt, was meine Seele hemmt während ich durchs Leben renn; der Ohrwurm der mich atmen lässt, durch den ich Stress vergess, der Rhythmus der mich weiterträgt, während die Zeit vergeht. (mumpizz)

Nov 2

Sonntag ist heilig. Da, um sich zu entsinnen, abzuschalten, vorauszuschauen und vielleicht auch zu planen, aber ursprünglich, um zu lenzen. Es gibt Tage, da liebe ich ihn, heute hab ich ihn satt, fühle eine leere Schwere. Die graue Stimmung nimmt sich den zu kleinen Raum, würgt förmlich und beklemmt.
Diese Novembertage; fühlen sich monoton, alltäglich, einförmig, fad, gleichförmig, trist, trostlos, öde, einfallslos, langweilig an und scheinen irgendwie ohne Abwechslung.
Willkommen, Herbstdepression !

Okt 30

you´re such a lonely person darling,you always insist on being independent and following your goal and achieving your dreams, but you insist so much that one gets the impression you´re trying to forget yourself.

Okt 6

Wenn ichs nicht mach, werd ich mürrisch und unerträglich für jedermann. Es ist nun mal ein natürlicher Trieb. Ich liebe Schlafen abgöttisch, wisst ihr. Ich träume viel, intensiv und lang. Schlaf ist nicht nur ungemein gesund und erfrischend; seine Begleiterscheinungen, genannt Träume, geben mit Verdichtungen und Symbolen wieder, was längst verarbeitet schien. Was mir meine Träume zeigen, macht mir nicht erst seit neuestem zu schaffen. Ich kann es nicht vergessen und das ist ein Riesenproblem! Je öfter ich von einem vorübergehenden Wehwehchen spreche, desto mehr weitet sich das  immer noch wunderschöne Netz mit allen seinen Schatten aus.
Nicht einmal ich verstehe es, welches verflucht bleibt. Na und, Mann.. Mir bleiben schöne Bilder.

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst (…)

Sep 15

.. Nun sitzt er nicht allein, aber für sich. Je weiter er fährt, desto mehr enwickelt sich etwas in ihm eigendynamisch; mal kontrollierbar, dann wieder losgelöst. Die Leute um ihn herum scheinen oberflächlich zu bemerken, was vor sich geht, weshalb er sich erfolglos zusammenzunehmen sucht. Ein gefühlt unentwegter Temperaturanstieg gepaart mit emotional doppelt unterstreichenden Klängen im Ohr bringen ihn mehr und mehr zu einem Desinteresse für sein Umfeld. Der Kaugummi wird stranguliert, als wolle er den Kloß im Hals einfach wegbeißen, so mir nichts dir nichts runterschlucken. Am Nollendorfplatz, wo auf dem Gegengleis ein Mensch ihn durchschauend anblickt und zwinkert, ist die Körperbeherrschung hin. Es ist wie das gute Zureden eines nahe stehenden Menschen, das es noch mehr verschlimmert. Keine Träne, ein Ball, kullert hinab und tönt dumpf beim Aufprall auf das fusselige T-Shirt. Sie hatte recht: er ist traurig.

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